Lyrik



Hier finden Sie eine Auswahl von Texten, die mir im Laufe der Zeit über den Weg gelaufen sind. Ohne System und Ordnung, einfach nur so - wie's eben kam.

Viel Spaß beim Stöbern.



Götterblume

„... Sagen Sie Ihm,

Dass er für die Träume seiner Jugend

Soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird,

Nicht öffnen soll dem tötenden Insekte

Gerühmter besserer Vernunft das Herz

Der zarten Götterblume – dass er nicht

Soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit

Begeisterung, die Himmelstochter, lästert...“

(Friedrich Schiller, Don Carlos IV, 21)



Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb Ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)



Ein Lächeln irrt verflogen

Ein Lächeln irrt verflogen

durch einen lauten Saal,

bis es auf einem Bogen

von schillerndem Opal

sein kleines Leben endet,

den letzten Blick noch matt

zu der herabgewendet,

die es verloren hat.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)



"Die Seele geht zu Fuß"



"Was das Publikum will, ist das Bild der Leidenschaft, nicht die Leidenschaft selbst."

Roland Barthes, 1915-1980

Einer der Begründer des Poststrukturalismus. Schrieb viel über soziale Phänomene wie Werbung, Mode, Design und das Reisen.


Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel

Die Erde still geküßt,

Daß sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis die Wälder,

So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte

weit ihre Flügel aus,

flog durch die stillen Lande,

als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff



whitches chant

Round about the couldron go:

In the poisones entrails throw.
Toad, that under cold stone
Days and nights has thirty-one
Sweated venom sleeping got,
Boil thou first in the charmed pot.
Double,double toil and trouble;
Fire burn and cauldron bubble.

Fillet of a fenny snake,
In the cauldron boil and bake;

Eye of newt and toe of frog,

Wool of bat and tongue of dog,
Adder's fork and blindworm's sting,
Lizard's leg and howlet's wing.
For charm of powerful trouble,
Like a hell-broth boil and bubble.
Double,double toil and trouble;
Fire burn and couldron bubble.

Scale of dragon,tooth of wolf,
Witch's mummy, maw and gulf

Of the ravin'd salt-sea shark,
Root of hemlock digg'd in the dark,

Liver of blaspheming Jew;
Gall of goat; andslips of yew
silver'd in the moon's eclipse;
Nose of Turk, and Tartar's lips;
Finger of birth-strangled babe
Ditch-deliver'd by the drab,-
Make the gruel thick and slab:
Add thereto a tiger's chaudron,
For ingrediants of our cauldron.
Double,double toil and trouble,
Fire burn and cauldron bubble.



Winter

When icicles hang by the wall
And Dick the shepherd blows his nail
And Tom bears logs into the hall,
And milk comes frozen home in pail,
When Blood is nipped and ways be foul,

Then nightly sings the staring owl,

Tu-who;
Tu-whit, tu-who: a merry note,
While greasy Joan doth keel the pot.

When all aloud the wind doth blow,
And coughing drowns the parson's saw,

And birds sit brooding in the snow,

And Marian's nose looks red and raw
When roasted crabs hiss in the bowl,
Then nightly sings the staring owl,
Tu-who;
Tu-whit, tu-who: a merry note,
While greasy Joan doth keel the pot.